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    Turnierbericht
    von Gilbert Kapkowski

    Die Kid´s EUROPEAN OPEN Championships waren ein echtes Sahnestück unter den "kleinen" E.T.F.Turnieren. Mit einer grossen Starterzahl aus 22 Clubs und 6 Nationen blieb die 1.Offene Kinder-Europameisterschaft der E.T.F. ungefähr in dem Rahmen, den man von den E.T.F.Kid´s German Open 2001 und 2002 bereits gewohnt war.

    So konnten die Wettkämpfe übersichtlich und organisatorisch durchweg zufriedenstellend auf 3 Flächen über die Bühne gebracht werden. Angesichts der zeitweisen Enge in der Oberthaler Bliesthalhalle, die auch über keine richtige Zuschauertribüne verfügte, war die Kapazitätsgrenze gerade erreicht worden.

    Ein grosses Lob gebührt dem Organisationsteam der E.T.F. und der Ausrichtercrew der Kampfsportschule Mark Klinger, die sehr gut zusammengearbeitet haben und insgesamt eine wirklich schöne Meisterschaft auf die Beine stellen konnten. Die Hallendekoration, die Technik und viele andere Details waren einer echten "EURO" angemessen. Für viele Kinder, die wohl noch nie in einer solchen Umgebung einen Wettkampf erlebt haben, war es sicherlich ein grosses Erlebnis. Auch der Zeitplan wurde nicht wesentlich überschritten. Eine gewisse Verzögerung ergab sich bei der Auswertung der Teamergebnisse, weil dieser Part (noch) nicht vollautomatisch erfolgt. Ansonsten gab es beim Computereinsatz aber keine Ausfälle. Auch hier wurde insgesamt vorbildlich gearbeitet.
     
    Das ca. 35-köpfige Kampfrichterteam wurde von den E.T.F.Chief Referees Mark Klinger (Illingen) und Deniz Demirtas (München) anlässlich eines morgendlichen Meetings gut auf die Juryaufgaben vorbereitet. Als problematisch erwies sich (nicht unerwartet) die Farbgebung beim Pointsparring-Wettbewerb, die wesentlich zweideutiger ablief als beim TKD-Wettkampf im olympischen Stil. 

    Hier ist eindeutig Nachholbedarf gegeben, denn ein blauer oder roter Gürtel zu Hand-, Fuss- und Kopfschützern in diversen anderen Farben ist für die Punktrichter äusserst verwirrend.

    Gut zu sehen war, dass das E.T.F.Turnierteam immer wieder durch gute Kräfte bereichert wird. Die Aufgaben im Kampfgericht und in diversen "Nebenbereichen" sind sowieso nicht immer ganz zu trennen. Viel zu tun gab es z. B. bei den Siegerehrungen, die bei einigen anderen Turnieren nicht unbedingt als ein Glanzstück zu sehen sind, sondern oft eher lieblos abgehandelt werden. Dass es auch hierbei bei den E.T.F.Kid´s Open sehr stilvoll zuging, soll am Rande mal erwähnt werden. Die vielen Pokale wurden erst kurz vor Beginn der Meisterschaft fertiggestellt und noch Freitagnacht mussten Schildchen und Embleme geklebt werden.
     
    Grossartig ins Zeug legten sich insbesondere 3 Turnier- "Assistentinnen", nämlich Rahsan Demirtas, Tatjana Bergmann und Cathrin Kreuz(vom Ausrichterteam), die den Laden an allen Ecken und Enden zusammenhielten. Festzustellen war auch, dass sich das ganze Ausrichterteam trotz fehlender Erfahrungen mit einer solchen Veranstaltung durchweg sehr souverän gezeigt hat.

    Kleinere Fehler und Versäumnisse sollen an dieser Stelle nicht ausgebreitet werden; einige Probleme waren auf fehlende Ausrüstung zurückzuführen, aber perfekt ist eben nichts und niemand. 

    An den Kampfrichterleistungen gab es prinzipiell nichts zu bemängeln. Eine signifikante Zahl von Fehlurteilen kann sicherlich nicht festgestellt werden, wenngleich einzelne Listenfehler wieder einmal nicht zu vermeiden waren. So vergass eine Jury-Besetzung, trotz des morgendlichen Hinweises, die Karte eines Verlieres zu streichen. Genau dieser wurde dann fälschlicherweise als Gewinner in der Liste weitergeführt, während der eigentliche Sieger nicht mehr aufgerufen wurde. Für 2 solcher Fälle fand sich dann nachträglich noch eine zufriedenstellende "sportliche" Lösung; teilweise wurden dann Plätze geteilt. Jedenfalls ging keiner leer aus.

    Verlierer übrigens auch nicht - jeder vorzeitig Ausgeschiedene bekam einen kleinen Turnierwimpel als Trostpreis mit nach Hause.
     
    Offizielle Proteste gab es keine. Schwerwiegende Verletzungen übrigens auch nicht, wie eine Nachfrage beim Turnierarzt ergab.

    Sicherlich auch eine Folge der Vorschrift, dass in der E.T.F. bis 15 Jahre ein Spannschutz bzw. Fussschutz Pflicht ist. Schwere Gesichtstreffer sind so von vornherein unwahrscheinlicher, vor allem wenn das Leistungsgefälle manchmal sehr gross ist, wie auch bei dieser Meisterschaft wieder zu sehen war.

    Aufgeregte Anmerkungen zu einem "unerklärlichen" Zusatzpunkt kamen von 2 Coaches, die die E.T.F.Punktelektronik nicht verstanden hatten.

    Im vorliegenden Fall war es so, dass es wegen absoluten Gleichstandes eine Verlängerungsrunde gegeben hatte, die ebenfalls wieder "Unentschieden" ausging und zwar ohne eine Punktwertung. Einer der Kontrahenten hatte jedoch ein oder zwei Drückerwertungen mehr auf dem Konto, was die Elektronik automatisch dazu veranlasst, dem mehr "gewerteten" Kämpfer den Sieg zuzusprechen und einen (rechnerischen) Extra-Punkt anzuzeigen.

    Anstatt sich dies in Ruhe erklären zu lassen, brannten dann einige Sicherungen durch (nicht bei der Anlage, sondern beim Coach). Sicher ist es bedauerlich, wenn ein Betreuer nacheinander einige umstrittene Finalniederlagen erlebt, aber Vorfälle bei anderen Kämpfen sind in dieser Hinsicht kein Argument. Und wenn jemand "eigene Wettkampftitel" oder sogar einen "4.Dan" in die Waagschale wirft, dann ist das zur Aufklärung des Sachverhaltes sicherlich nicht besonders hilfreich. Der Fall lag ansonsten nämlich eindeutig und war keineswegs protestwürdig.
     
    Trotz einer relativ grossen Teilnehmerzahl hatte Formen-Chief Denis Grafen (Brüggen) alles im Griff. Inzwischen sind weitere Verbesserungen in der Listenführung und beim Einsatz der Formen-Elektronik in Sicht.

    Mit dem modernen Formendisplay und den damit verbundenen Möglichkeiten hat die E.T.F. sicherlich bereits einige Massstäbe gesetzt, an die andere Veranstalter in Ansätzen noch nicht heranreichen.

    Entscheidend bleibt aber der "menschliche" Faktor. Bei der eingesetzten Formen-Jury stimmte offensichtlich die Chemie und zu erwähnen ist auch, dass etliche der eingesetzten Kampfrichter keinerlei "eigene" Interessen hatten, da sie nicht zu den teilnehmenden Vereinen gehörten oder nur einzelne Starter ihres Clubs antraten.

    In dieser Hinsicht hört man von diversen Turnieren und Verbänden ganz andere Geschichten. 

    Zum sportlichen Teil ist allgemein zu sagen, dass es eine grosse Bandbreite gegeben hat, die bei einem offenen Kinderturnier auch zu erwarten gewesen ist. Es gab reine Anfänger, aber auch etliche Jung-"Profis" mit viel Wettkampferfahrung. Durchgehend souverän zeigten sich die Wettkämpfer aus Moldawien, die einmal mehr das absolut beste Team bei E.T.F.Meisterschaften  präsentieren konnten:

    Mit Platz 2 beim Wettkampf und Platz 1 bei den technischen Disziplinen (Formen-Bruchtest-Selbstverteidigung) gelang dem Top-Team aus Osteuropa der nahtlose Anschluss an die Erfolge beim EURO-CUP 2002. Interessant zu sehen, dass die Moldawier inzwischen auch sehr gute Westenkämpfer herausbringen. Vergleichsweise müssten sich einige deutsche "typische" WTF-Stil-orientiere Vereine langsam eine Scheibe davon abschneiden und mal so gute Formenläufer oder Bruchtesttechniker wie die Moldawier produzieren.

    Einige dieser Abonnementssieger traten als 4-fach Starter an, also auch in 2 verschiedenen Sparringsdisziplinen, dem olympischen System und beim Pointsparring (Leichtkontakt). 

    Was diese sportliche Bandbreite angeht, erscheint (man verzeihe dem Verfasser diese Anmerkung !) das "Olympia-TKD"-Land Deutschland inzwischen nur noch als ziemliches Entwicklungsland. 
    Welcher Vorsprung bleibt hier eigentlich noch, wenn die Moldawier jetzt noch "Poomse" lernen würden ? 

    Das machen die mit links, ist zu vermuten.
     
    Die Internationalität war bei den Kid´s European Open durchweg gegeben:

    Ein kampfstarkes Team aus Mallorca fand zum ersten Mal den Weg zu einer E.T.F.Meisterschaft und die E.T.F. wird in Kürze auf den Balearen offiziell vertreten sein.

    Erstmals kam auch aus England ein kleines Team und es steht zu vermuten, dass zum EURO-CUP 2003 ein recht grosses von der Insel folgen wird.

    Die zahlreichen Kämpfer aus Luxemburg hatten vergleichsweise fast schon ein Heimspiel im Saarland.

    Irgendwie bedauerlich, dass ausser dem Ausrichter keine weiteren Clubs aus dem Saarland als Teilnehmer zu verzeichnen waren. Gerüchterweise wurde bekannt, dass eine am selben Tag vorgesehene "Saarlandmeisterschaft" wegen mangelnder Beteiligung ausgefallen sein soll. 

    Der jüngste Teilnehmer des Turniers war gerade mal 4 Jahre alt. Ein Kämpferalter also, wo man noch nicht allzu viel erwarten darf. 

    Sicherlich ist es geradezu "knuffig", wenn man sieht wie engagiert und trotzig sich einige kleine Jungs und Mädchen mit Tritten und Schlägen beharken.
    Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Kinder teilweise etwas überfordert waren. 

    Die meisten Tränen, die ich gesehen habe, kamen aus Enttäuschung darüber, dass es auf der Punktanzeige Ergebnisse wie 22:0 gegeben hat und einige der Kinder mehr oder weniger chancenlos waren. Das lag übrigens eindeutig nicht an den Gürtelgraden.

    Hingegen trat ein "Kämpfer" deswegen schon mal nicht an, weil er von vornherein Angst vor einem (grösseren) Gegner hatte. 

    Im grossen und ganzen waren aber auch die Coaches einsichtig und hetzten ihre Kinder nicht zum Sieg.

    Lag es daran, dass bestimmte Vereine und Trainer bei dieser Meisterschaft nicht anwesend waren ? 

    Bei den technischen Wettbewerben war es nicht unbedingt leicht, ein "Erfolgserlebnis" zu erzielen, denn in einigen Klassen herrschte ein reger Andrang. Zu sehen war aber auch, dass "höhere" Grade bei den Kindern, zumindestens bei den Turnieraktiven, eher Mangelware sind. Das Schwergewicht liegt auf ganz bestimmten Klassen und Altersstufen.
     

    Bei Formen-Bruchtest und der neuen Selbstverteidigungskategorie gab es etliche schöne Leistungen zu sehen. Es war festzustellen, dass einige Clubs sehr intensiv in diesem Bereich trainieren und einen entsprechenden Nachwuchs herausbringen können.

    Gut in Szene setzen konnte sich hier der E.T.F.Verein Budo Sport Herdorf aus Rheinland-Pfalz, der auch mit einigen bewährten Kräften in der Jury vertreten war.
     

    Ein E.T.F.Neumitglied, die Taekwondo Schule Chon-Ji aus Bayern, war in den technischen Wettbewerben ebenfalls überaus erfolgreich und konnte sich auf Anhieb einen Treppchenplatz sichern.

    Trainer Guido Blätz war vollkommen von der Rolle, dass er den bisher grössten Pokal seiner Laufbahn mit nach Hause bringen konnte, aber das sicherlich ziemlich verdient. 

    Eine Innovation am Rande:
    E.T.F.Chief-Referee Deniz Demirtas hatte in Eigenleistung eine ziemliche Weltneuheit konstruiert und zwar ein drahtloses Drückersystem für die Punktelektronik. Der Praxistest verlief vielversprechend, wenngleich noch ein paar kleinere technische Probleme zu lösen sind.

    Dass die Stimmung in Oberthal mehr als gut gewesen ist, lässt sich kaum verheimlichen. Vielleicht sollte man zukünftig mal versuchen, dass die männlichen Helfer die Kuchentheke schmeissen und dafür die Mädels die Security abgeben.

    Dem gesammelten Charme dieser Turniercrew hat dann sowieso niemand mehr was entgegenzusetzen.


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