
Ein internationales Teilnehmerfeld war zum 2.EURO-CUP
der TSG ISERLOHN angereist; wie bereits im Vorjahr nicht nur aus Nordrhein-Westfalen
und anderen Bundesländern, sondern es kamen auch Teams und Einzelsportler
aus mehreren europäischen Ländern und erstmals sogar aus Übersee.
Neben einer Delegation aus dem IRAN konnten die Veranstalter
als weitgereisteste Teilnehmer Teams aus AUSTRALIEN und BRASILIEN
begrüssen, die im übrigen auch zum sehr hohen sportlichen Niveau
dieser Veranstaltung beitrugen. Das grösste Wettkampfteam bildete
die Mannschaft des Taekwondo-Verbandes Lublin, Polen.
Aus POLEN reisten insgesamt ca. 80 Sportler aus mehreren Vereinen
an, die an beiden Tagen für eine tolle Stimmung in der Sporthalle
sorgten und dabei nicht nur die eigenen Leute begeistert anfeuerten.
...und ein Feuerwerk der Kampfkunst
!!!
Nur wenige Beteiligte waren von dieser Veranstaltung nicht restlos
begeistert, aber allen kann man es niemals recht machen. Hallendekoration,
Turniermanagement, Ehrenpreise, Rahmenprogramm usw. waren einer „inoffiziellen“
Europameisterschaft (der Vereine) würdig und die sportlichen Leistungen
der Teilnehmer hatten ein entsprechend hohes Niveau. Das entging auch den
vielen zahlenden Iserlohner Zuschauern nicht.
Einige wenige Fehlurteile und kleine Pannen, die bei einer Grossveranstaltung
wohl nicht immer ganz vermeidbar sind, konnten den tollen Gesamteindruck
nicht trüben. Lediglich der Zeitplan wurde überschritten.
FAZIT: Viel besser kann man ein solches Mammutprogramm sicher nicht
mehr präsentieren.
Die Jury...
30 geladene Kampfrichter waren beim EURO-CUP 1999 aktiv. Auf insgesamt
3 professionellen Wettkampfflächen, die von der Firma PAVIGYM gesponsert
worden waren, wurde in ca. 50 verschiedenen Klassen in den Disziplinen
Taekwondo-Wettkampf, Formenlaufen, Bruchtest und Selbstverteidigung um
300 Ehrenpreise und Siegprämien in einer Gesamthöhe von DM 3.000,--
gekämpft.
Alle Kampfrichter wurden an beiden Veranstaltungstagen
anlässlich eines speziellen Kampfrichterseminars in die Wettkampfregeln
eingewiesen. Es gab während der Veranstaltung nur 2 Proteste gegen
Entscheidungen der Jury, die sich allerdings als unbegründet erwiesen.
Für eine Handvoll Euro...
...wären die wertvollen Ehrenpreise, die in aufwendiger Handarbeit
von TSG-Pokalschmied Otto Grothaus hergestellt wurden, sicher nicht
zu haben gewesen. Der Hemeraner legte sich für den EURO-CUP wieder
mächtig ins Zeug und kreierte u. a. eine 14cm grosse, aus massivem
Bronze gegossene Medaille mit dem Turnierlogo, den Löwen „Hong“
und „Chong“.
Die gab es dann beispielsweise für die Plätze 4-5-6 in den
technischen Wettbewerben und als Erinnerungspreis für die ausländischen
Teams. Die „kleine“ Medaille mit dem gleichen Logo (für die dritten
Plätze bei den Kindern) hat übrigens einen Durchmesser
von gut 9 cm und übertrifft mit dieser Grösse die
üblichen Siegerpreise bei anderen Veranstaltungen bei weitem.
Taepoong Demo Team & TSG-Tiger-Team
Da staunten die Kids aus dem „Tiger-Team“ der TSG ISERLOHN nicht
schlecht:
Die 8 Mitglieder des koreanischen Taepoong Demo Teams demonstrierten
Taekwondo der absoluten Spitzenklasse. Neben einer eindrucksvollen Vorführung
von Selbstverteidigungstechniken zeigten die Meister aus Korea auch noch
geradezu atemberaubende Bruchtests. In beiden Disziplinen belegten Mitglieder
des Teams zu Recht erste Plätze.
Die jungen Iserlohner Sportler im Alter von 8-13 Jahren standen den
grossen Vorbildern aber in nichts nach:
Bei der Eröffnungsfeier des EURO-CUPs zeigten Adrian Müller,
Justina
Rabstein, Maximilian Soltysiak, Afife Bozkurt,
Viktor
und Kirill Wall eine tolle Kampfsportvorführung mit vielen
originellen Showelementen, an die sich noch eine kurze Demonstration einiger
Sportler aus dem Team der Europäischen Jiu-Jitsu-Union anschloss.
V.I.P.s und die Band
Als Ehrengäste konnten zahlreiche Vertreter der Stadt Iserlohn
begrüsst werden, u.a. die Vize-Bürgermeisterin Renate Brunswicker,
Stadtrat
Rolf Reinecke und (fast schon traditionell) der Stadtdirektor und
neue hauptamtliche Bürgermeister Klaus Müller mit seiner
Gattin.
Ebenfalls anwesend waren der NRW-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler
und die heimische Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, die auch
beide zum wiederholten Male Ehrenpreise gestiftet hatten.
Zur stimmungsvollen Eröffnung der Veranstaltung in der mit grossem
Aufwand geschmückten Sporthalle trug insbesondere der Spielmannszug
Hemer bei, der unter der Leitung von Horst Ringeling eindrucksvoll
aufspielte und die originelle Dudelsackband der beiden Vorjahre noch übertraf.
Spannende Fights...
...lieferten sich die Taekwondo-Wettkämpfer am Samstag, wo es
nicht nur in den Kinder- und Jugendklassen, sondern vor allem bei den Herren
ab 2.Kup hoch herging. In den 4 gut besetzten olympischen Klassen wurde
den begeisterten Zuschauern grösstenteils ein echtes internationales
Niveau geboten: In der Klasse bis 58kg setzte sich der brasilianische Meister
Fabio
Oliveira im Finale gegen Gunes Erdal vom PSV Gelsenkirchen durch,
nachdem er im Halbfinale dem 5fachen Iserlohner Meister Deniz Demirtas
mit einer umstrittenen Punktwertung von 7: 6 das Nachsehen gegeben hatte.
In der Klasse -68kg gab es eine Top-Endrunde zwischen
Wesley Hughes
(AUSTRALIEN) und Antonio Oliveira (BRASILIEN), bei der der Australier
knapp die Oberhand behielt. Kleiner Trost für den unterlegenen Südamerikaner:
Er erhielt später den Ehrenpreis für den besten Techniker bei
den Herren. Bis 80kg siegte Roosbeh Gherban (Tornado Velbert) gegen
den symphatischen Teamchef der Australier, Daniel Moir, der
leider schon verletzt an den Start gehen musste. Im Schwergewicht setzte
sich Markus Hens vom PSV Wuppertal gegen Khalid Oilkadi aus
Gelsenkirchen durch.
Leider war die Beteiligung im Damenwettbewerb insgesamt sehr gering,
sodass in der A- und B-Kaegorie nur jeweils 2 Klassen ausgekämpft
wurden. Die Siegerinnen: -49kg Rahsan Demirtas (TSG Iserlohn), -57kg
Kustermir
Dondu (PSV Gelsenkirchen), -57kg A-Klasse Serap Yüksel
(Chong Kwon Düren), -67kg Jana Baldauf (Kumgang Dojang
Köthen).
Eine gute Technik...
bewiesen etliche grosse und kleine Sportler nicht nur als Wettkämpfer,
sondern auch bei den Disziplinen FORMENLAUF, BRUCHTEST und SELBSTVERTEIDIGUNG.
Der 2.Veranstaltungstag war gespickt mit vielen Höhepunkten und
die akrobatischen Einlagen etlicher Teilnehmer kamen beim Publikum noch
um einiges besser an als die Wettkämpfe des Vortages. Alle Nichtfachleute,
die beim Sport nur Wert auf eine gute Unterhaltung legen, kamen hier besonders
auf ihre Kosten, aber auch die Insider aus dem Wettkampflager zeigten sich
total begeistert. Ein durchschlagender Erfolg war
die Öffnung dieser Wettbewerbe für Kampfsportler aus allen Disziplinen,
also nicht nur für Taekwondo-Leute.
Hier haben wir vielleicht
die Zukunft des Kampfsports gesehen: Ein entsprechendes Wettkampfreglement
und eine erfahrene Jury vorausgesetzt, ist das Zusammenwachsen der verschiedenen
Kampfkünste -auf dieser Ebene- keine Utopie mehr. Im Gegenteil - der
verbandsoffene EURO-CUP hat bewiesen, dass dies genau der richtige Weg
für diesen Sport sein kann.
Wer sich immer noch abgrenzen will und beispielsweise
einzelne Formenschulen als alleinseligmachend propagiert, der braucht sich
nicht darüber zu wundern, dass er seine Poomse vor leeren Rängen
läuft oder allenfalls immer nur das gleiche „Fachpublikum“ von sich
überzeugt. Es ist sicherlich nicht ganz einfach für ein Kampfgericht
, solche technischen Darbietungen nach völlig objektiven Kriterien
zu beurteilen, aber auch hier setzen sich letzten Endes immer wieder die
Besten durch. Dabei ist es, vor allem den Zuschauern, relativ egal, ob
der Sieger ein Taekwondo-, Karate- oder Jiu-Jitsu-Sportler ist.
Bei den Formen (Kinder/Jugend bis 15 Jahre) siegten
Timmi
Varkliotis (EJJO Itzehoe) und Anna Plecha (TKD-Verband Lublin
Polen).
In der Herrenklasse 16-39 Jahre war Poomse-Spezialist Manuel
Rovira (Hwarang Do Hannover) nicht zu schlagen. Bei den Damen siegte
Agnes
Bekesch (Dok-Su-Ri Herten). In der Altersklasse ab 40 Jahre gab es
gleich 2 verdiente Sieger, weil auch ein doppeltes Stechen keine
Entscheidung brachte: Gratulation an Bernd Könnecker (Post
SV Lehrte) und Peter Johanns (TuS 59 Hamm). Siegerin in der Damenkategorie
ab 40 wurde Iris Hitzemann (Stadthagen), ganz knapp vor Dorothea
Kapkowski (TSG Iserlohn), die auf eigenem Platz unbedingt mit
von der Partie sein wollte und trotz der vielen Arbeit bei der Organisation
der Veranstaltung eine wirklich tadellose sportliche Leistung zeigte.
Strahlender Sieger...
...und erfolgreichster Sportler beim EURO-CUP war einer der
Allerjüngsten.
Adrian Müller (10 Jahre) von der TSG Iserlohn
stellte sein Riesentalent unter Beweis und gewann in der Kinder-Jugendklasse
den Formen-Freestyle-Wettbewerb und auch den Bruchtest-Wettbewerb. Zu erwähnen
ist noch, dass Adrian in der Wettkampfklasse -25kg den 3.Platz belegte
und ausserdem noch den Ehrenpreis für die beste Technik erhielt.
Herausragend in ihren Klassen waren neben dem Taepoong Demo Team auch ganz besonders die Freestyle Synchron-Mannschaft vom Zan-Shin-Dojo Iserlohn, die ihre Form mit verbundenen Augen lief und das National-Team der Europäischen Jiu-Jitsu-Union, allen voran die Sieger bei der Einzel-Selbstverteidigung, Hans-Peter Schira und Ken Speck. Sie liessen hier das brasilianische Team noch hinter sich, die einen sehenswerten Strassenkampf im „Capoeira-Stil“ vorführten.
Freestyle...
Die verschiedenen Freestyle- Wettbewerbe waren der absolute Renner
beim EURO-CUP:
Den Freestyle-Formenwettbewerb konnte, trotz starker Konkurrenz, Titelverteidiger
Markus
Karduck (TV Orken) für sich entscheiden. Für ihn kamen noch
zwei dritte Plätze im Formenwettbwerb und bei der Selbstverteidigung
dazu, wodurch er sich insgesamt als einer der besten und vielseitigsten
Teilnehmer dieses Turniers erwies.
Mit seinem absolut überragenden technischen Können ist ein
Sportler wie Markus Karduck sicherlich ein Vorbild für andere, aber
mehr als das zählen wohl seine Worte, die am Rande des Turniers fielen.
Diese decken sich mit einer gleichlautenden Bemerkung eines anderen, ebenso
vorbildlichen Budo-Sportlers, des Bruchtest-Weltrekordlers Benedetto
Scaturro. Beide äußerten im Gespräch mit dem Turnierorganisator,
unabhängig voneinander, dass für sie allein die Teilnahme hier
wichtig sei und nicht so sehr die Placierung.
Diesem wahrhaft olympischen Geist ist wohl nichts hinzuzufügen...
Bruchtest-
Weltrekordversuche
3 Sportler waren angetreten, um Rekorde aufzustellen bzw. zu
brechen.
Benedetto Scaturro hatte es sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 132 Ytong-Platten in weniger als 15 Sekunden zu zerschlagen. Das gelang zwar nicht ganz, aber immerhin kam der Allgäuer auf eine Anzahl zerbrochener Platten von 129 in 16 Sekunden und übertraf damit den Rekord eines Franzosen auf der Budo-Gala in Paris.
Der Versuch des Recklinghauseners Dirk Zöphel, diese Leistung unmittelbar wieder zu toppen, schlug aus technischen Gründen leider total fehl. Die von ihm mühsam aufgebauten Türme aus Ytong-Platten fielen nach den ersten beiden Schlägen um wie Dominosteine und damit war die Aktion bedauerlicherweise vorzeitig beendet.
Wenig Glück hatte auch Markus Böck aus Datteln, der 4 Baseballschläger auf einmal mit dem Schienbein zertrümmern wollte. Nach einem erfolgreichen Test auf 1 Schläger stellte sich jedoch heraus, dass die Holzschläger zu gefährlicher Splitterbildung neigten. Daraufhin verzichtete der Sportler vernünftigerweise auf den Rekordversuch.
Taekwondo - Olympia - die Medien - und die Zukunft... Eine Anmerkung
| „Nennen Sie mir eine Sportart, die mittlerweile nicht olympisch ist!“ - so der lapidare Kommentar eines Lokalredakteurs der Iserlohner Heimatpresse auf den Hinweis, dass TAEKWONDO nun erstmals im offiziellen Programm der Olympiade auftauchen wird. Natürlich gibt es eine ganze Menge Sportarten, die (noch) nicht ins olympische Programm aufgenommen worden sind - aber die sind wahrscheinlich noch „unwichtiger“ als Taekwondo. So richtig „wichtig“ wird eine Sportart nämlich erst dann, wenn sie von den Zuschauern, von den Medien (insbesondere vom Fernsehen) und von den Sponsoren entdeckt worden ist oder wenn es sich um eine „Trendsportart“ handelt, bei der die Sportartikelindustrie ordentlich was umzusetzen hat. Taekwondo fällt nicht in diese Kategorie, nicht in Deutschland und auch nicht in vielen anderen Ländern. Un-Yong Kim sei Dank - WIR sind olympisch und Deutschland hat sogar schon einige „Hoffnungsträger“ für Medaillen in Sydney 2000. Das wird in bestimmten Kreisen gefeiert und bejubelt und einige Strategen hängen sich (wieder einmal) an die Leistung dieser Sportler dran - so als hätten sie jeden Tag persönlich die Pratze gehalten. Doch was ist wirklich für die Breite der Taekwondo-Betreibenden erreicht worden ? Diese zersplittert sich nach wie vor in Verbände und Verbändchen und völlig gegensätzliche Stilrichtungen, die sich prinzipiell teilweise voneinander unterscheiden wie Handball und Fussball. Sie treten aber alle unter der Bezeichung TAEKWONDO auf, sei es nun z. B. die W.T.F., die I.T.F., die G.T.F., die KWON-Schulen usw. Es ist nicht gelungen, eine gemeinsame Identität zu finden und jeder wurschelt mit seiner eigenen Zielsetzung vor sich hin. Die heilige Dreifaltigkeit PUBLIKUM-MEDIEN-SPONSOREN interessiert sich aber herzlich wenig für „Verbandspolitik“, sondern guckt eher auf Leistung nach dem Motto „was bringen die und vor allem was bringen die uns ?“ Solange Disziplinen wie Sumo-Ringen, Dart oder Bowling in den Sportkanälen permanent vor der nicht genau definierbaren Exotensportart TAEKWONDO gehandelt werden, wird die alle 4 Jahre stattfindende Olympiade wohl keinerlei entscheidende Auswirkungen für die Basis der Sportler und Vereine haben. GK |