7.Internationale Taekwondo-Meisterschaften in Iserlohn am 18. und 19. September 1999
Bericht (aus der SPORT-NEWS Nr.1 Oktober 1999)


Ein Hauch von Weltmeisterschaft...
...wehte am 18. und 19. September 1999 durch die „Almelo-Sporthalle“ in Iserlohn.

Ein internationales Teilnehmerfeld war zum 2.EURO-CUP der TSG ISERLOHN angereist; wie bereits im Vorjahr nicht nur aus Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern, sondern es kamen auch Teams und Einzelsportler aus mehreren europäischen Ländern und erstmals sogar aus Übersee. Neben einer Delegation aus dem IRAN konnten die Veranstalter  als weitgereisteste Teilnehmer Teams aus AUSTRALIEN und BRASILIEN begrüssen, die im übrigen auch zum sehr hohen sportlichen Niveau dieser Veranstaltung beitrugen. Das grösste Wettkampfteam bildete die Mannschaft des Taekwondo-Verbandes Lublin, Polen.
Aus POLEN reisten insgesamt ca. 80 Sportler aus mehreren Vereinen an, die an beiden Tagen für eine tolle  Stimmung in der Sporthalle sorgten und dabei nicht nur die eigenen Leute begeistert anfeuerten.

...und ein Feuerwerk der Kampfkunst !!!
Nur wenige Beteiligte waren  von dieser Veranstaltung nicht restlos begeistert, aber allen kann man es niemals recht machen. Hallendekoration, Turniermanagement, Ehrenpreise, Rahmenprogramm usw. waren einer „inoffiziellen“ Europameisterschaft (der Vereine) würdig und die sportlichen Leistungen der Teilnehmer hatten ein entsprechend hohes Niveau. Das entging auch den vielen zahlenden Iserlohner Zuschauern nicht.
Einige wenige Fehlurteile und kleine Pannen, die bei einer Grossveranstaltung wohl nicht immer ganz vermeidbar sind, konnten den tollen Gesamteindruck nicht trüben. Lediglich der Zeitplan wurde überschritten.
FAZIT: Viel besser kann man ein solches Mammutprogramm sicher nicht mehr präsentieren.

Die Jury...
30 geladene Kampfrichter waren beim EURO-CUP 1999 aktiv. Auf insgesamt 3 professionellen Wettkampfflächen, die von der Firma PAVIGYM gesponsert worden waren, wurde in ca. 50 verschiedenen Klassen in den Disziplinen Taekwondo-Wettkampf, Formenlaufen, Bruchtest und Selbstverteidigung um 300 Ehrenpreise und Siegprämien in einer Gesamthöhe von DM 3.000,-- gekämpft.
Alle Kampfrichter wurden an beiden Veranstaltungstagen anlässlich eines speziellen Kampfrichterseminars in die Wettkampfregeln eingewiesen. Es gab während der Veranstaltung nur 2 Proteste gegen Entscheidungen der Jury, die sich allerdings als unbegründet erwiesen.

Für eine Handvoll Euro...
...wären die wertvollen Ehrenpreise, die in aufwendiger Handarbeit von TSG-Pokalschmied Otto Grothaus hergestellt wurden, sicher nicht zu haben gewesen. Der Hemeraner legte sich für den EURO-CUP wieder mächtig ins Zeug und kreierte u. a. eine 14cm grosse, aus massivem Bronze gegossene Medaille mit dem Turnierlogo, den Löwen „Hong“ und „Chong“.
Die gab es dann beispielsweise für die Plätze 4-5-6 in den technischen Wettbewerben und als Erinnerungspreis für die ausländischen Teams. Die „kleine“ Medaille mit dem gleichen Logo (für die dritten Plätze bei den Kindern) hat  übrigens einen Durchmesser von gut  9 cm und übertrifft  mit dieser Grösse die üblichen Siegerpreise bei anderen Veranstaltungen bei weitem.

Taepoong Demo Team & TSG-Tiger-Team
Da staunten die Kids aus dem „Tiger-Team“ der TSG ISERLOHN nicht  schlecht:
Die 8 Mitglieder des koreanischen Taepoong Demo Teams demonstrierten Taekwondo der absoluten Spitzenklasse. Neben einer eindrucksvollen Vorführung von Selbstverteidigungstechniken zeigten die Meister aus Korea auch noch geradezu atemberaubende Bruchtests. In beiden Disziplinen belegten Mitglieder des Teams zu Recht erste Plätze.

Die jungen Iserlohner Sportler im Alter von 8-13 Jahren standen den grossen Vorbildern aber in nichts nach:
Bei der Eröffnungsfeier des EURO-CUPs zeigten Adrian Müller, Justina Rabstein, Maximilian Soltysiak, Afife Bozkurt, Viktor und Kirill Wall eine tolle Kampfsportvorführung mit vielen originellen Showelementen, an die sich noch eine kurze Demonstration einiger Sportler aus dem Team der Europäischen Jiu-Jitsu-Union anschloss.

V.I.P.s und die Band
Als Ehrengäste konnten zahlreiche Vertreter der Stadt Iserlohn begrüsst werden, u.a. die Vize-Bürgermeisterin Renate Brunswicker, Stadtrat Rolf Reinecke und (fast schon traditionell) der Stadtdirektor und neue hauptamtliche Bürgermeister Klaus Müller mit seiner Gattin.
Ebenfalls anwesend waren der NRW-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler und die heimische Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, die auch beide zum wiederholten Male Ehrenpreise gestiftet hatten.

Zur stimmungsvollen Eröffnung der Veranstaltung in der mit grossem Aufwand geschmückten Sporthalle trug insbesondere der Spielmannszug Hemer bei, der unter der Leitung von Horst Ringeling eindrucksvoll aufspielte und die originelle Dudelsackband der beiden Vorjahre noch übertraf.
 

Spannende Fights...
...lieferten sich die Taekwondo-Wettkämpfer am Samstag, wo es nicht nur in den Kinder- und Jugendklassen, sondern vor allem bei den Herren ab 2.Kup hoch herging. In den 4 gut besetzten olympischen Klassen wurde den begeisterten Zuschauern grösstenteils ein echtes internationales Niveau geboten: In der Klasse bis 58kg setzte sich der brasilianische Meister Fabio Oliveira im Finale gegen Gunes Erdal vom PSV Gelsenkirchen durch, nachdem er im Halbfinale dem 5fachen Iserlohner Meister Deniz Demirtas mit einer umstrittenen Punktwertung von 7: 6 das Nachsehen gegeben hatte.  In der Klasse -68kg gab es eine Top-Endrunde zwischen Wesley Hughes  (AUSTRALIEN) und Antonio Oliveira (BRASILIEN), bei der der Australier knapp die Oberhand behielt. Kleiner Trost für den unterlegenen Südamerikaner: Er erhielt später den Ehrenpreis für den besten Techniker bei den Herren. Bis 80kg siegte Roosbeh Gherban (Tornado Velbert) gegen den symphatischen Teamchef  der Australier, Daniel Moir, der leider schon verletzt an den Start gehen musste. Im Schwergewicht setzte sich Markus Hens vom PSV Wuppertal gegen Khalid Oilkadi aus Gelsenkirchen durch.

Leider war die Beteiligung im Damenwettbewerb insgesamt  sehr gering, sodass in der A- und B-Kaegorie nur jeweils 2 Klassen ausgekämpft wurden. Die Siegerinnen: -49kg Rahsan Demirtas (TSG Iserlohn), -57kg Kustermir Dondu  (PSV Gelsenkirchen), -57kg A-Klasse Serap Yüksel  (Chong Kwon Düren), -67kg Jana Baldauf  (Kumgang Dojang Köthen).
 

Eine gute Technik...
bewiesen etliche grosse und kleine Sportler nicht nur als Wettkämpfer, sondern auch bei den Disziplinen FORMENLAUF, BRUCHTEST und SELBSTVERTEIDIGUNG. Der 2.Veranstaltungstag war gespickt mit vielen Höhepunkten und  die akrobatischen Einlagen etlicher Teilnehmer kamen beim Publikum noch um einiges besser an als die Wettkämpfe des Vortages. Alle Nichtfachleute, die beim Sport nur Wert auf eine gute Unterhaltung legen, kamen hier besonders auf ihre Kosten, aber auch die Insider aus dem Wettkampflager zeigten sich total begeistert. Ein durchschlagender Erfolg war die Öffnung dieser Wettbewerbe für Kampfsportler aus allen Disziplinen, also nicht nur für Taekwondo-Leute.


Hier haben wir vielleicht die Zukunft des Kampfsports gesehen: Ein entsprechendes Wettkampfreglement und eine erfahrene Jury vorausgesetzt, ist das Zusammenwachsen der verschiedenen Kampfkünste -auf dieser Ebene- keine Utopie mehr. Im Gegenteil - der verbandsoffene EURO-CUP hat bewiesen, dass dies genau der richtige Weg für diesen Sport  sein kann.

Wer sich immer noch abgrenzen will und beispielsweise einzelne Formenschulen als alleinseligmachend propagiert, der braucht sich nicht darüber zu wundern, dass er seine Poomse vor leeren Rängen läuft oder allenfalls immer nur das gleiche „Fachpublikum“ von sich überzeugt. Es ist sicherlich nicht ganz einfach für ein Kampfgericht , solche  technischen Darbietungen nach völlig objektiven Kriterien zu beurteilen, aber auch hier setzen sich letzten Endes immer wieder die Besten durch. Dabei ist es, vor allem den Zuschauern, relativ egal, ob der Sieger ein Taekwondo-, Karate- oder Jiu-Jitsu-Sportler ist.


Bei den Formen (Kinder/Jugend bis 15 Jahre) siegten Timmi Varkliotis (EJJO Itzehoe) und Anna Plecha (TKD-Verband Lublin Polen).
In der Herrenklasse 16-39 Jahre war  Poomse-Spezialist Manuel Rovira (Hwarang Do Hannover) nicht zu schlagen. Bei den Damen siegte Agnes Bekesch (Dok-Su-Ri Herten). In der Altersklasse ab 40 Jahre gab es gleich 2 verdiente Sieger,  weil auch ein doppeltes Stechen keine Entscheidung brachte: Gratulation an Bernd Könnecker (Post SV Lehrte) und Peter Johanns (TuS 59 Hamm). Siegerin in der Damenkategorie ab 40 wurde Iris Hitzemann (Stadthagen), ganz knapp vor  Dorothea Kapkowski (TSG Iserlohn), die auf eigenem Platz unbedingt  mit von der Partie sein wollte und trotz der vielen Arbeit bei der Organisation der Veranstaltung eine wirklich tadellose sportliche Leistung zeigte.

Strahlender Sieger...
...und erfolgreichster Sportler beim EURO-CUP war einer der Allerjüngsten. Adrian Müller (10 Jahre) von der TSG Iserlohn stellte sein Riesentalent unter Beweis und gewann in der Kinder-Jugendklasse den Formen-Freestyle-Wettbewerb und auch den Bruchtest-Wettbewerb. Zu erwähnen ist noch, dass Adrian in der Wettkampfklasse -25kg den 3.Platz belegte und ausserdem noch den Ehrenpreis für die beste Technik erhielt.

Herausragend in ihren Klassen waren neben dem Taepoong Demo Team auch ganz besonders die Freestyle Synchron-Mannschaft vom Zan-Shin-Dojo Iserlohn, die ihre Form mit verbundenen Augen lief und das National-Team der Europäischen Jiu-Jitsu-Union, allen voran die Sieger bei der Einzel-Selbstverteidigung, Hans-Peter Schira und Ken Speck. Sie liessen hier das brasilianische Team noch hinter sich, die einen sehenswerten Strassenkampf im „Capoeira-Stil“ vorführten.

Freestyle...
Die verschiedenen Freestyle- Wettbewerbe waren der absolute Renner beim EURO-CUP:
Den Freestyle-Formenwettbewerb konnte, trotz starker Konkurrenz, Titelverteidiger Markus Karduck (TV Orken) für sich entscheiden. Für ihn kamen noch zwei dritte Plätze im Formenwettbwerb und bei der Selbstverteidigung dazu, wodurch er sich insgesamt  als einer der besten und vielseitigsten Teilnehmer dieses Turniers erwies.

Mit seinem absolut überragenden technischen Können ist ein Sportler wie Markus Karduck sicherlich ein Vorbild für andere, aber mehr als das zählen wohl seine Worte, die am Rande des Turniers fielen. Diese decken sich mit einer gleichlautenden Bemerkung eines anderen, ebenso vorbildlichen Budo-Sportlers, des Bruchtest-Weltrekordlers Benedetto Scaturro. Beide äußerten im Gespräch mit dem Turnierorganisator, unabhängig voneinander, dass für sie allein die Teilnahme hier wichtig sei und nicht so sehr die Placierung.
Diesem wahrhaft olympischen Geist ist wohl nichts hinzuzufügen...


Ein anderer Sportler, der beim Bruchtestwettbewerb vom Kampfgericht böse verschaukelt wurde (eins der wenigen, aber dafür sehr eindeutigen Fehlurteile), hatte trotz  seiner technischen Brillianz weniger innere Reife aufzuweisen und drohte erbost damit, seinen Ehrenpreis (falls er einen solchen bekommen hätte), in die Halle zu werfen. Ein wenig mehr Gelassenheit wäre eines Dan-Trägers sicherlich würdig gewesen und wahre Grösse kann man auch in einer (unverdienten) Niederlage zeigen.

Bruchtest-Weltrekordversuche
3 Sportler waren angetreten, um Rekorde aufzustellen bzw.  zu brechen.

Benedetto Scaturro hatte es sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 132 Ytong-Platten in weniger als 15 Sekunden zu zerschlagen. Das gelang zwar nicht ganz, aber immerhin kam der Allgäuer auf eine Anzahl zerbrochener Platten von 129 in 16 Sekunden und übertraf damit den Rekord eines Franzosen auf der Budo-Gala in Paris.

Der Versuch des Recklinghauseners Dirk Zöphel, diese Leistung unmittelbar wieder zu toppen, schlug aus technischen Gründen leider total fehl. Die von ihm mühsam aufgebauten Türme aus Ytong-Platten fielen nach den ersten beiden Schlägen um wie Dominosteine und damit war die Aktion bedauerlicherweise vorzeitig beendet.

Wenig Glück hatte auch Markus Böck aus Datteln, der 4 Baseballschläger auf einmal mit dem Schienbein zertrümmern wollte. Nach einem erfolgreichen Test auf 1 Schläger stellte sich jedoch heraus, dass die Holzschläger zu gefährlicher Splitterbildung neigten. Daraufhin verzichtete der Sportler vernünftigerweise auf den Rekordversuch.

Einige Fotos vom EURO-CUP


Taekwondo - Olympia - die Medien - und die Zukunft...           Eine Anmerkung

„Nennen Sie mir eine Sportart, die mittlerweile nicht olympisch ist!“ - so der lapidare Kommentar eines Lokalredakteurs der Iserlohner Heimatpresse auf den Hinweis, dass TAEKWONDO nun erstmals im offiziellen Programm der Olympiade auftauchen wird. Natürlich gibt es eine ganze Menge Sportarten, die (noch) nicht ins olympische Programm aufgenommen worden sind - aber die sind wahrscheinlich noch „unwichtiger“ als Taekwondo. So richtig „wichtig“ wird eine Sportart nämlich erst dann, wenn sie von den Zuschauern, von den Medien (insbesondere vom Fernsehen) und von den Sponsoren entdeckt worden ist oder wenn es sich um eine „Trendsportart“ handelt, bei der die Sportartikelindustrie ordentlich was umzusetzen hat. Taekwondo fällt nicht in diese Kategorie, nicht  in Deutschland und auch nicht in vielen anderen Ländern. Un-Yong Kim sei Dank - WIR sind olympisch und Deutschland hat sogar schon einige „Hoffnungsträger“ für Medaillen in Sydney 2000. Das wird in bestimmten Kreisen gefeiert und bejubelt und einige Strategen hängen sich (wieder einmal) an die Leistung dieser Sportler  dran - so als hätten sie jeden Tag persönlich die Pratze gehalten. Doch was ist wirklich für die Breite der Taekwondo-Betreibenden erreicht worden ?  Diese zersplittert sich nach wie vor in Verbände und Verbändchen und völlig gegensätzliche Stilrichtungen, die sich prinzipiell teilweise voneinander unterscheiden wie Handball und Fussball. Sie treten aber alle unter der Bezeichung TAEKWONDO auf, sei es nun z. B. die W.T.F., die I.T.F., die G.T.F., die KWON-Schulen usw. Es ist nicht gelungen, eine gemeinsame Identität zu finden und jeder wurschelt mit seiner eigenen Zielsetzung vor sich hin. Die heilige Dreifaltigkeit PUBLIKUM-MEDIEN-SPONSOREN interessiert sich aber herzlich wenig für „Verbandspolitik“, sondern guckt eher auf Leistung nach dem Motto „was bringen die und vor allem was bringen die uns ?“  Solange Disziplinen wie Sumo-Ringen, Dart oder Bowling in den Sportkanälen permanent vor der nicht genau definierbaren Exotensportart TAEKWONDO gehandelt werden, wird die alle 4 Jahre stattfindende Olympiade wohl keinerlei entscheidende Auswirkungen für die Basis der Sportler und Vereine haben.     GK

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