Turnierbericht
(in German language only)

Man soll sich ja selbst nicht "über den Klee" loben, aber der diesjährige E.T.F.CUP am 27.April 2002 in Herne bot doch Anlass für ein rückblickendes "Schulterklopfen"...und zwar bei den Organisatoren, dem Helferteam vom TKD Verein Wanne und nicht zuletzt bei den zahlreichen engagierten Kampfrichtern.  Auf  eine insgesamt reife Leistung in Herne kann jeder stolz sein, der irgendwie dazu beigetragen hat. 

Wenn man von einigen Kleinigkeiten und leider auch ein paar K.O.Tritten bei der TKD-Vollkontakt-Fraktion absieht, dann hatte diese Veranstaltung in der Herner "Sporthalle im Sportpark" durchaus einigen Vorbildcharakter für vergleichbare Grossveranstaltungen.

Die "Internationalen NRW Tae Kwon Do Meisterschaften" der E.T.F. waren aber auch auf der sportlichen Ebene ein Glanzstück im Sportjahr 2002, das nicht leicht zu toppen sein wird: Wettkämpfer  aus 51 Vereinen sorgten nicht nur für ein überaus grosses, sondern teilweise auch für ein sehr erlesenes Teilnehmerfeld mit etlichen 1.Klasse Matches und Formenläufen.

Ein sehr "aufgeräumtes" Bild in der Herner Sporthalle ergab sich von der grossen Zuschauertribüne aus gesehen.

Zum erstenmal bei einem E.T.F.Turnier wurde mit 4 Wettkampfflächen gearbeitet, wobei morgens 3 für den TKD-Wettbewerb und 1 für Pointfighting zur Verfügung standen.

Die Formenwettbewerbe begannen erst gegen ca. 14.00 Uhr, was aber für etliche Teilnehmer auch Vorteile bot, weil sie erst gegen Mittag bei der Registration erscheinen mussten.

Blick von der Tribüne der Sporthalle im Sportpark Herne
Antreten zum Erinnerungsfoto:
"Round-Up" der E.T.F.Jury beim E.T.F.CUP 2002
Morgens sorgten einige Punkte bei diversen Akteuren für Irritationen:

Aufgrund der Situation in der Sporthalle war der Registrationsraum in den Bereich der Umkleide- und Waageräume gelegt worden. Leider kam es dort für ca. 1/1-2 Stunden zu etwas beengten Verhältnissen, die an ein Grossereignis in Unna erinnerten, in das die E.T.F. im Jahr 2000 verwickelt worden war. Das war jedoch die einzige Ähnlichkeit, denn der Engpass löste sich dann recht zügig auf. 

Bei einigen Clubs kam es zu einer (vermeidbaren) Verwirrung, als die Betreuer feststellen mussten, dass die üblichen"Coachkarten" diesmal nur kostenpflichtig an der Kasse zu erhalten waren, falls der jeweilige Verein nicht mit mindestens einem Punktrichter in der Jury vertreten war.

Die Unfähigkeit eine Ausschreibung lesen zu können, hatten einzelne Betroffene dabei wohl nur geschickt vorgetäuscht. Unangenehme Regeln ignoriert man besser solange, bis sie einen tatsächlich selbst betreffen. Es ist dann immer noch Zeit, auf andere zu schimpfen und irgendwelche Sonderrechte geltend zu machen. Viele Vereine hatten das Problem überhaupt nicht, weil sie in der Tat Teilnehmer für das Kampfgericht gestellt hatten.

Treffpunkt V.I.P.Raum - die Anlaufstelle für Offizielle
Elektronischer Aufruf und Punktwertung - E.T.F.Standard
Die Organisation der Jury lief dann eigentlich wie am Schnürchen, insbesondere weil etliche der gemeldeten Punktrichter und Kampfleiter ja keine Anfänger waren.

Die ursprünglich geplante "Rotation" der Jury (= komplettes Auswechseln nach jeweils 1/2 Stunde) kam zwar nicht zustande, aber stundenlang überfordert wurde keiner - es blieb durchaus noch Zeit für Pausen und Fachgespräche im V.I.P.Raum der Sporthalle.

Zum zügigen Ablauf trug auch die Tatsache bei, dass bei dieser Veranstaltung erstmals keine Gewichtsklassenänderungen nach Registrationsschluss zugelassen wurden.

Es gab morgens insgesamt eine Verzögerung von ca. 1 Stunde, die aber nur daraus resultierte, dass die Organisatoren auf der Autobahn in einen unfallbedingten Stau hineingerieten. Dennoch wurde die Zeit im Verlaufe des Tages noch gut rausgeholt: Bei den Formen gab es schlussendlich nur ca. 1/4 Stunde Verspätung am Abend und insgesamt, inclusive Team-Siegerehrungen, blieb es bei nur einer Stunde Verspätung. Auch hier nicht viel zu kritisieren.

Die morgendliche Eröffnung begann mit einem kurzen Intro von E.T.F.Manager Gilbert Kapkowski, der das Wort dann an Herrn Dezernenten Stohr vom Sportausschuss der Stadt Herne weitergab.

Dieser zeigte sich von der Veranstaltung aufrichtig beeindruckt, nicht zuletzt aufgrund der tollen Kulisse auf den Rängen, die sich zunehmend füllten. Ganz ausverkauft war die Halle mit ihren ca. 2000 Sitzplätzen zwar noch nicht, aber der Ausrichter konnte sich über mangelnden Zuschauerandrang  wahrlich nicht beklagen. 

Im Foyer gab es reichlich Platz - auch für die Cafeteria und diverse Verkaufsstände.

Gilbert Kapkowski (l.) überreichte dem Ausrichter
Udo Möllers (r.) eine Erinnerungsurkunde
Fast wie im alten Rom:
Die (Presse-)Tribüne und unten die Arena mit den Gladiatoren
Überhaupt bot die Halle einige Vorzüge:
Ein Team aus Berlin, dass schon am Vortag angereist war, konnte dort in einem Nebenraum problemlos übernachten. Verschiedene ausländische Teams, die zu dieser Meisterschaft gemeldet hatten, wären auch untergekommen, aber die Teilnehmer aus Pakistan, Indien und dem Iran tauchten diesmal nicht auf. 
Einige hatten schon im Vorfeld wieder Absagen erteilt, wie z. B. die mit Spannung erwarteten Franzosen und ein Team aus Spanien.

Es gibt zwar gute Kontakte der E.T.F. in mehrere exotische Länder, aber die Visa-Problematik war erwartungsgemäss wieder einmal nicht zu lösen gewesen.

Einziger Vorteil:
Bei einer noch höheren Teilnehmerzahl wäre die Kapazität vielleicht doch überschritten worden.

Keine gravierenden Probleme gab es mit einer aktuellen Regeländerung bei den E.T.F.Taekwondo-Wettkampfregeln (Vollkontakt). Zum erstenmal wurde so verfahren, dass der Kampfleiter für eindeutige Wirkungstreffer und bei Anzählen des Gegners einen Extra-Punkt anzeigen darf.

Bei den Kinderklassen reichte hierzu auch ein deutlicher Kopftreffer ohne direkte Wirkung aus, was die sichtbare "Belohnung" für eine gut angebrachte Technik darstellte.

Einen direkten Zusammenhang mit den Änderungen der WTF-Wettkampfregeln gibt dabei aber nicht: 

Interessanter Kontrast und bisher nur bei der E.T.F. zu sehen:
Olympia-Taekwondo-Vollkontakt (vorne) und Semikontakt-Pointfighting
während einer einzigen Veranstaltung
Novität bei der Formen-Jury:
Formen-"Chief" Denis Grafen betreute die Testversion
einer neuen PC-gesteuerten Anzeige-Elektronik,
die sich als teilnehmer- und zuschauerfreundlich erwies
Wer bei WTF-Wettkämpfen antritt, kann auch bei der E.T.F. kämpfen und umgekehrt. Elementare Unterschiede des Reglements gibt es eigentlich nicht. Die E.T.F. macht aber nicht jede willkürliche und unlogische Regeländerung der WTF mit, sondern hat einige Vereinfachungen parat, die sich in der Turnierpraxis längst bewährt haben.

Leider mischen sich dann bisweilen einige Kampfleiter ins Geschehen ein, die - "6.Dan hin, Landeskampfrichterlizenz her" - auf der Kampffläche manchmal zu wenig Souveränität  und Sachkenntnis beweisen.

Nicht so beispielsweise Deniz Demirtas, Wetzlar oder Mark Klinger, Illingen. Beide machten als Referees bei den TKD-Wettbewerben eine ausgesprochen gute Figur und setzten auch die neuen Regeln perfekt um. Gratulation !

Bei den Formen-Wettkämpfen fielen erneut 2 Klassen ins Auge, die auch das Publikum immer wieder in ihren Bann ziehen:

Die Synchron- und die Freestyle-Wettbewerbe.

Bei den traditionellen Synchron-Formen setzte sich das 4-köpfige Team von der Sportschule Ollerdis knapp gegen den VfL Bad Berleburg durch. Wiederum sehr knapp, mit nur 1/10 Punkt, dahinter der TKD Verein Rheinstetten.

Immerhin waren in dieser Klasse 15 Teams angetreten und das Leistungsniveau war entsprechend. Einige Clubs hatten sich das vielleicht leichter vorgestellt, aber so mancher Titel bei der E.T.F. hat schon so seinen Wert... 

Spannung bei den verschiedenen Formenwettbewerben
Teilweise ein echter Augenschmaus für die Zuschauer
Bei der E.T.F."Schatzkammer" war immer was los...
Zu erwähnen - auch die Verlierer erhielten kleine Trostpreise
Bei den "Freestyle"-Synchronformen erwiesen sich gleich 2 Teams der Sportschule Black Belt Worms als Abräumer und verwiesen das Double Dragon Team aus Dortmund diesmal auf Rang 3.

In der Einzelkategorie der Herren konnte sich der Double Dragon "Spielertrainer" Leonid Rivilis allerdings mit 1/10 Punkt gegen den Wormser Dennis Müller knapp durchsetzen; dahinter auf dem 3.Platz Andre Petrakow vom VfL Bad Berleburg, der auch eine Superleistung zeigte. 

In der Freestyle-Klasse -15 Jahre belegten Starter aus Worms Platz 1-3 bei der männlichen Jugend und Platz 1 und 2 bei der weiblichen Jugend. In die überlegene Phalanx der Truppe von Trainer Uwe Mandler konnte  nur die Dortmunderin Nadia M´hani einbrechen, die sich Platz 3 sicherte.

Die zahlenmässig noch überschaubaren Semi-Pointfighting-Wettbewerbe wurden von Olaf Essing auf nur 1 Kampffläche souverän koordiniert.

Mit Absicht war die Teilnehmerzahl in dieser Kategorie etwas begrenzt worden, um den Rahmen des Turniers nicht zu sprengen.

Es zeigte sich erneut, dass manchen Startern aus der "Semi-Szene" ein geordneter Turnierverlauf einige Probleme bereitet: Das chaotische Durcheinander bei diversen "X & Y-Cups" ohne Startnummernaufruf und feste Turnierregeln ist bei der E.T.F. nicht zu finden. Das Chaos wurde aber offensichtlich von einigen irgendwie vermisst, die ihren Aufruf verpasst hatten oder sich über eine ordentliche Schutzausrüstung nicht ganz im klaren waren oder sich sogar mit "Regeldiskussionen" befassten.

Charmant und kompetent
Einige E.T.F.Damen im Kampfgericht und im Helferteam
hatten die meisten Probleme voll im Griff 
Ergebnislistenführung mit Lichtgeschwindigkeit
Manfred Heyer vom TKD Verein Wanne erwies sich als Glücksgriff
bei diesem Turnier und plant für die Zukunft bereits ein besseres System
Ein Blick ins kleine, aber sehr informative Programmheft der Veranstaltung hätte bisweilen ausgereicht, um diverse Sachfragen sofort zu klären. 

Das System mit der Anzeige der jeweiligen Klassennummer an der Kampffläche hatten die meisten aber schnell verstanden.

Die Erfahrungen aus (eigentlich noch wenigen) E.T.F.Turnieren fliessen immer wieder in Novitäten und Verbesserungen ein, die allen Beteiligten, inclusive der Zuschauer, zugute kommen sollen.

Dass so ein Grossturnier nicht nur "Leistungssport" bietet, sondern tatsächlich auch absolut Spass machen kann, wurde bei einer Szene am späten Nachmittag deutlich: 

 

Auf Fläche 4 liefen gerade die "Freestyle"-Formen, bei denen das Publikum normalerweise voll aus dem Häuschen ist, wenn artistische Flugeinlagen, wie Überschläge oder diverse spinning kicks gezeigt werden.

Der parallele Taekwondo-Kampf auf Fläche 2 führte erstaunlicherweise aber zu noch grösseren Beifallskundgebungen.

Beide Kämpfer waren wohl wegen der Powermusik für die Freestyle- Darbietung dermassen aufgedreht, dass sie sich mit Techniken wie aus einem Hollywoodfilm beharkten. Einer der beiden zeigte dabei sogar einen Rückwärtssalto auf der Kampffläche.

Die Sieger im traditionellen Synchronlauf
1.Sportschule Ollerdis, 2.VfL Bad Berleburg, 3.TKD Rheinstetten
Den Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigt...
Die Sieger in der Taekwondo-Teamwertung
1.Velberter Leoparden, 2.Sportschule Heinrich, 3.PSV Wuppertal
Nicht zu vergessen:
Die Partie verlief äusserst fair. 

Bleibt anzumerken - 
bei einer Landesmeisterschaft anderer Verbände hätte der Sportler vermutlich einen Minuspunkt für ungebührliches Auftreten bekommen. 

Bei der E.T.F. kriegt er das nächste Mal wahrscheinlich den Technikerpreis.

Und das ist ein Versprechen !

In der Gesamtabrechnung ergaben sich mehrere "Doppelerfolge", die die Leistungsstärke einiger Clubs dokumentieren:

Beim Semi-Pointfighting siegte das Black Belt Team von Uwe Mandler aus Worms ebenso deutlich wie in der Kategorie Formen.

Aber auch der PSV Wuppertal zeigte sein Können auf verschiedenen Gebieten:

Mit Platz 3 in der Teamwertung, sowohl in der Taekwondo-Klasse, als auch beim Formenlaufen, war die Mannschaft von Uwe Kuhfeldt eine der absolut besten des Turniers. 

Starker Auftritt...
Die Sieger in der Formen-Teamwertung
1.Black Belt Worms, 2.Kazoku Dojo Holland, 3.PSV Wuppertal
Die Sieger in der Pointfighting-Teamwertung
mit E.T.F.Manager Gilbert Kapkowski
1.Black Belt Worms
2.Pader Sportschule
3.Taekwondo Nottuln
Vorläufiges Fazit:

Die 1.Wettkampfveranstaltung der E.T.F. im Sportjahr 2002 war einigermassen rekordverdächtig. Das wettkampfsportliche Niveau, insbesondere der TKD-Kämpfe, konnte den letzten EURO-CUP in Iserlohn sogar noch toppen.

Zum erstenmal fanden die Wettkämpfe auf 4, statt auf den gewohnten 3 Flächen statt. Diese Entscheidung war jedoch von Erfolg gekrönt, nicht zuletzt deshalb, weil sich knapp 500 Starter auf diese Art und Weise noch gut an nur einem Veranstaltungstag bewältigen liessen.

Das Helferteam und auch die Kampfrichter haben insgesamt einen guten Job gemacht.  Zu erwähnen sind insbesondere auch einige neue E.T.F.Clubs, die sich sofort an den Aufgaben in der Jury beteiligt haben. Wie immer sind einzelne Probleme und kleinere Fehlleistungen nicht ganz zu vermeiden gewesen, aber sie konnten den sehr guten Gesamteindruck überhaupt nicht trüben.

Eine traurige Notiz am Rande:
Ein "Betreuer" legte sich in einer völlig unzumutbaren Art und Weise mit einer Helferin des Sanitätsdienstes an. Er musste dann schliesslich aus dem Innenraum verwiesen werden, nachdem er nicht bereit war, den Namen seines Vereins zu nennen. 

Von vielen, die als fachkundige Zuschauer zum erstenmal ein E.T.F.Turnier gesehen haben, kam hinterher sehr positive Kritik.

Man kann aber vermuten, dass der E.T.F.CUP 2002, der das Vorjahresturnier in Haiger bei weitem übertraf, in diesem Jahr zahlenmässig das Maximum erreicht hat.

Auf die nächsten Veranstaltungen darf man dennoch sehr gespannt sein. 

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