ETF NRW-CUP 2006
ETF Westdeutsche Meisterschaften
GUMMERSBACH-NRW-Oktober 29-2006
Turnierbericht
Tournament Report
Von der Teilnehmerzahl her gesehen war der ETF NRW-CUP 2006 ein verhältnismässig kleines ETF-Turnier - grosses Herz bewiesen aber die Helfer und Organisatoren dieser insgesamt sehr schönen Veranstaltung, das Team der Kampfrichter und die Mehrzahl der fairen Sieger des Tages.

Die Turniercrew vom Fight Club Milia, angeführt von der "römischen Kanone" Patrizio Milia mit seinem Schmuse-Schäferhund Schlappohr "Tedesco",  zauberte mit Hilfe der ETF-Geschäftsstelle und einigen engagierten Helfern ein insgesamt sehenswertes Event aus dem Hut. Sicher auch eine gute Werbung für die noch junge Sportschule "Fight Club" in Dieringhausen, die zumindestens bei diesem "Heimspiel" wesentlich erfolgreicher gewesen ist als die restliche Kampfsportkonkurrenz in Gummersbach und Umgebung.
Danke an das kleine Team vom SV Bliedersdorf, denn die weitgereisten Kämpfer und Betreuer aus dem hohen Norden stürzten sich nicht nur sehr erfolgreich ins Wettkampfgetümmel, sondern glänzten bereits vorher unspektakulär beim Kistenschleppen und Kabelziehen.

In gut 3 Stunden war die Sporthalle des Berufskolleg Oberberg in Gummersbach-Dieringhausen ziemlich professionell eingerichtet und dekoriert. Die durchweg gute Stimmung bei rund 160 Teilnehmern auf  2 übersichtlichen Flächen tat das Übrige. 

Grosses Plus war erneut eine insgesamt souveräne Jury, die es aber nicht immer ganz leicht hatte. Es nervt schon ein wenig, wenn Coaches von elementaren Standards bei Wettkämpfen keine Ahnung haben und deswegen die Zeit wegrennt. So sollte man die Farben 
BLAU und ROT auseinanderhalten können oder wissen, dass Jugendliche nur mit einem Fuss-Schutz kämpfen dürfen. Man kann nicht endlos und andauernd verpasste Aufrufe tolerieren, denn sonst wird es echt langweilig rund um die Matte. 
Der Zeitplan wurde trotzdem allgemein sehr zufriedenstellend eingehalten. Um 17.15 Uhr war der sportliche Teil inclusive Team-Siegerehrung beendet. Auch für einen Sonntag sicherlich nicht zu spät, um noch gut nach Hause zu kommen.
Worüber sich die Wettkampfleitung freuen würde: Coaches, die ausnahmsweise selbst ein paar Stunden den Part des Kampfleiters übernehmen und dann sehen, wie das auf der anderen Seite läuft. In einem Fall stürmte ein übertrieben nervöser Betreuer erregt auf die Wettkampffläche und wollte Unfairness des Gegners gesehen haben. Lautstark wurde dann von ihm "sauberes Taekwondo-Kämpfen" angemahnt. Dieser unbeherrschte Trainer-Auftritt wurde allerdings ein Rohrkrepierer. Es war erfrischend, dass der völlig zu Unrecht kritisierte Kämpfer kurz nach diesem Ausraster einen blitzsauber gesprungenen k.o.Fersendrehkick an den Kopfschutz seines Kontrahenten anbrachte und seinen Sieg insgesamt sehr deutlich unter Beweis stellte.
Wie man als Kampfleiter einen "Diszi" auch ganz ohne Verwarnungskarte anbringt, demonstrierte Referee Patrizio Milia recht originell: 
2 Teilnehmer beim Pointsparring, die nicht pünktlich auf der Fläche standen, mussten kurzerhand Liegestütze in voller Montur auf der Kampffläche absolvieren. Strafe muss halt sein, aber man muss auch nicht immer alles übertrieben tierisch ernst nehmen. 
Waches Auge am Punktdrücker:
Miguel Sousa aus Iserlohn
Sieger in allen Klassen:
Simon Laß (SV Bliedersdorf) 
Zu den absoluten Positiverlebnissen zählten "multifunktionelle Sportler", die in der heutigen Taekwondo-Szene eher aussterben, was wirklich schade ist. Herausragendes Beispiel für einen (jungen) Sportler, der tatsächlichen Vorbildcharakter haben sollte, ist Simon Laß (SV Bliedersdorf). Auch bei Meisterschaften mit deutlich mehr Konkurrenz als beim NRW-CUP landet so jemand normalerweise immer ziemlich oben. Der Unterschied zu anderen (Wettkämpfern) ist aber deutlich zu sehen: Der Bursche kann wirklich (fast) alles, wovon andere noch nicht mal träumen.

Erfolgreich kämpfen (im WTF olympischer Stil), starke Technik im traditionellen Formenlauf und bei den Freestyle-Formen. Dann sorgte er noch für Punkte für die Heimmannschaft beim Formen-Teamkampf. Hätten wir beim NRW-CUP "Bruchtest" im Programm gehabt, dann wäre die Siegertreppe dafür vielleicht auch nicht weit gewesen und mal sehen, ob sich so eine Sportkanone nicht auch noch im Kick-Box-Stil in Szene setzen kann.

Hier soll nicht eimerweise Lob verschüttet werden, aber wenn sich ein junger Sportler im Alter von 15 Jahren auch noch zeitweise ins Kampfgericht setzt, um was über die Probleme von Punkten oder Listenführung "dazuzulernen", ist das schon eine positive Erwähnung wert. Die "guten" Leute sind nämlich immer die, die von alleine Zurückhaltung und Bescheidenheit, aber auch Interesse zeigen und nicht so sehr ausschliesslich auf blanken Erfolg nach aussen programmiert sind. Das gilt übrigens auch für "Trainer". Die einen halten grosse Vorträge über die "Theorie der Formen" ihres einzig wahren Weltverbandes oder über ihre Erfahrungen beim jährlichen "Grossmeistertraining" - die anderen passen tatsächlich bei Meetings und Lehrgängen der ETF auf, nehmen den Mund nicht übertrieben voll - und bringen ihren "Schülern" und Wettkämpfern tatsächlich was Lehrreiches bei. Zumindestens was für´s sportliche Leben. 

Man sieht die Wirklichkeit des Könnens bisweilen bei Wettkämpfen und übrigens auch bei Dan-Prüfungen allzu deutlich. 
Im Lande der Ahnungslosen laufen die Uhren allerdings bekanntermassen ganz anders.

Erinnerungsfoto
Erfolgreiches Team beim Sparring und bei der Technik
Team Hindukusch (Afghanistan) + SSG Sankt Augustin
mit den Trainern Mohsen Barati, 5.Dan und Sultani Amir 3.Dan 
und ETF General Manager Gilbert Kapkowski
Happy Birthday
Rene Laß wurde am Veranstaltungstag
stolze 11 Jahre alt
Turnierdirektorin Dorothea Kapkowski (50)
hatte für das Geburtstagskind ein paar Geschenke
In der "Kampfrichter-Lounge" hinten gab es eine Geburtstagstorte mit Kerzen, Ständchen und "Rakete"
...vorne fanden die "richtigen" Siegerehrungen statt

Beim sportlichen Teil das grösste Manko beim NRW-CUP: Die leider unbesetzten Kategorien beim Team-Sparring. Bei kleineren und regionalen Turnieren in Deutschland ist es kaum möglich, ausreichend Teams zu finden. Mehr als schade, denn eigentlich ist dieser "Mannschaftskampf" noch um einiges spannender als die üblichen Zweikämpfe. Nur leider scheint das echte TKD-Kämpferpotential 
(in Deutschland) immer weiter auszudünnen. Gekämpft wird zunehmend vielleicht mehr auf der Strasse oder auf dem Fussballplatz als in einer TKD-Arena in der Sporthalle.

Die Herren Oldie-Riege 30+ Formen
Sultani Amir (SSG Sankt Augustin) r.souverän auf Platz 1,
Platz 2 Udo Kahler (TKD Do it Kerpen) l.
und Platz 3 Georg Janzen (Phönix Dojang) Mitte
Na - Wie wär´s mit einem Foto von uns beiden ?
Auf dem Siegertreppchen bei Kampf und Formen
Newcomerin 2006 Leyla Yilmaz (Black Panther TVN)
und Jugend-Europameister Simon Laß (SV Bliedersdorf)

Thema Technik - Formen
Wie auch in den Sparringskategorien gab es bei den technischen Wettbewerben ein gewisses Leistungsgefälle, leider auch einige schwach besetzte Klassen, aber eben auch absolut gute Leistungen einzelner herausragender Sportler. So konnte sich in der Herrenklasse -29 Jahre Marcel Drabinski (TKD Recklinghausen) mit einem Vorsprung von 7/10 Punkten vor den Drittplacierten der ETF-Europameisterschaften 2006, Dennis Sigmund (Team Ying Sheng) auf Platz 1 vorkämpfen. Mit 27,8 Punkten hätte das für den Starter aus Recklinghausen ein 2.Platz bei der EM 2006 werden können, aber das bleibt rein spekulativ, denn zunächst ist ja "Dabei sein" alles. 

Dass man auch anderweitig dabei sein kann, bewies ein jugendlicher Formenexperte mit viel Turnierpraxis, nämlich Max Schweitzer.
Der mit 15 Jahren jüngste ETF-Trainer (siehe Reports 2006 und ETF-Sommercamp) wollte unbedingt mal in der Jury statt als Wettkämpfer mitwirken und schon hatte er in Gummersbach den Job, auch ohne Kampfrichterlizenz

Darf an dieser Stelle erwähnt werden, dass es manchmal die Jüngeren sind, die manch älteren Kampfsport-Granden in der Jury locker in die Tasche stecken ?

Schon seit ein paar Jahren sehr souverän mit der B-Lizenz im ETF-Kampfrichterteam: Bianca Hellmich (TKD Do it Kerpen) und diese engagierte junge Dame geht grad mal auf die 17 zu. Es kann nicht nur "Wettkämpfer" und "Kampftrainer" geben, gute Kampfrichter gehören zum Turnier eben auch dazu. Leider sind die Clubs, die sich mit der Schiedsrichterei aktiv auseinandersetzen, in der Minderzahl.

Nochmal Grund zum Jubel 
bei der Team-Siegerehrung
Eine tolle Leistung mit einem kleinen Team
Ani und Manni vom SV Bliedersdorf "on the top"

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