Eine kleine
Geschichte von Meistern, Vereinen und Verbänden
von Gilbert Kapkowski
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Sind für kleine
und grosse Kampf-Sportler Meister, Vereine und Verbände wirklich wichtig
?
Diese Frage stellt sich,
wenn man sich anschaut, dass dieser Sport bisweilen von ganz "kleinen"
Kämpfern besetzt ist, die manchmal echt die "Grössten" sind.
Während einige scheinbare "Grössen" in diesem Sport in Wirklichkeit
ganz klein mit Hut sind - wenn man sie mal etwas genauer unter die Lupe
nimmt. Was sich oft an diversen Dan-Graden oder bedeutenden Meistertiteln
festmacht, die sie dringend zu brauchen scheinen. Wie damals das "Tapfere
Schneiderlein" den Gürtel mit dem Aufdruck "Sieben auf einen Streich".
Tatsächlich waren es
nur märchenhafte sieben Fliegen, die der Meister mit dem Gürtel
erledigt hatte. Kein Wunder also, dass so mancher Anfänger (im Kampfsport)
von "seinem" Meister", gar "Grossmeister" oder sogar "Präsident" und
vielleicht noch viel schlimmer "Weltpräsident" äusserst beeindruckt
ist. Oft reicht dazu schon ein einzelner imposanter (Trick)Bruchtest aus,
denn "Tricks" oder sogar "Trickings" hat so mancher angebliche Kampfsport-Meister
echt drauf - aber es sind eben dann doch nur ein paar "Tricks", nichts
weiter.
Der eigene Verein oder die
"Sportschule" (Schule = Lehren und Lernen) ist dabei sicherlich für
den Kampfsport-"Schüler" (jeden Alters) vermutlich das Wichtigste.
Genau wie "sein" Meister (oder "Lehrer") für lange Zeit des Lernens
die bedeutendste Bezugsperson für ihn sein dürfte. Bei einigen
dauert die Beziehung ein Sportler-Leben lang, bei anderen manchmal nur
ein paar Tage, Wochen oder Monate. Gründe dafür, warum das so
ist, gibt es eine Menge, aber an dieser Stelle sollen dazu lieber einige
"Geschichten" erzählt werden.
Der Verfasser dieser Stories
hat nämlich in seinem (bisherigen) Kampfsportleben vermutlich mehr
erlebt als sich die Weisheit zwischen Korea und Japan oder anderen Ländern
träumen lässt.
Es war einmal...
ein grosser Meister eines
Weltverbandes, der ein überaus guter "Techniker" gewesen ist und er
wurde später sogar einer der "Lieblinge des Generals". Der liess in
jungen Jahren plötzlich seine 20-30 Schüler in der Sporthalle
alleine, weil es für ihn wichtiger gewesen ist, mit einer "Schülerin"
und zwei befreundeten "Meisterschülern" eine Party zu feiern. Der
damalige (auch heute in Fachkreisen immer noch sehr bekannte) Grossmeister
des Meisters wurde um Vermittlung gebeten, denn es ging nebenbei auch noch
um "money for nothing".
Die Antwort des Grossmeisters
an den damaligen Verantwortlichen des Vereins lautete jedoch ganz einfach:
"Ein Grüngurt hat einem Schwarzgurt gar nichts zu sagen".
Danach war einmal...
ein anderer grosser Meister
eines anderen Weltverbandes, der ein überaus guter "Techniker" gewesen
ist, gar vielleicht noch besser als der Meister davor. Abgesehen davon
ging es ihm sehr um das Geld, was er für sein Training verlangte,
aber das ist noch eine andere Geschichte, denn er war in mehreren Vereinen
und Sportschulen tätig.
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Dieser Meister war ein sehr
wettkampfstarker Fachmann und er lud eine Auswahl von "Anfängern"
des einen seiner Vereine zu einem Turnier des anderen seiner Vereine ein.
Mit dem Hinweis, dass bei diesem Wettkampf niemand überfordert würde
und man als "Anfänger" keinesfalls gegen echte "Profis" antreten müsste.
In der Folge kämpfte dann einer der sehr jugendlichen Anfänger
besagten Vereins in seinem allerersten Kampf gegen einen "Jugend-Europameister"
des anderen Vereins und es kam wie es fast zwangsläufig kommen musste:
Der Anfänger ging nach einem gekonnten Fusstritt schwer k.o. und landete
mit einem Schädelbruch im Krankenhaus in einer fremden Stadt. Der
"Meister" wiederum hatte sich als "Betreuer" gar nicht um "seinen" Anfänger
gekümmert, sondern vielmehr um "seine" siegreiche Mannschaft. Auch
im Krankenhaus sah man den Meister dann nicht. Den Eltern, die das alles
miterlebt hatten, fehlte danach vermutlich ein wenig der Glaube an diesen
schönen Sport, der inzwischen sogar "olympisch" geworden ist. Aber
eben nur in "einem" Verband.
Viele Jahre später...
dekoriert mit Dan-Graden,
vielen Wettkampferfolgen seiner "Schüler" und mit etlichen Kampfkunst-Geschichten
auf dem Buckel, hatte der Verfasser andere prägende Erlebnisse mit
"Meistern" und "Kindern" zu bewältigen. Wobei sich mancher Meister
als sehr kindisch erwiesen hat und so manches "Kind" vielleicht als so
eine Art Meister.
Ein Meister, der Kindern
(oder Erwachsenen) farbige Gürtel verleiht, die sie technisch und
von ihrer ganzen Einstellung gesehen, nicht unbedingt verdienen, denkt
sich vermutlich seinen Teil dabei. Vielleicht hat dieser Teil der Geschichte
mit Geld zu tun oder aber mit dem Bedürfnis, möglichst "geliebt"
oder zumindestens "respektiert" zu werden. Wenn ein Kind bei Wettkämpfen
einen Teddybären mit sich herumträgt, auf dem der Name des Trainers
zu lesen ist, dann liegt dieser Verdacht schon sehr nahe.
So mancher "Lehrer" braucht
geradezu "Schüler" (die sich würdevoll vor ihm verbeugen), sonst
fühlt er sich nicht wohl, denn sie geben ihm eine grosse Bedeutung.
Und wenn Meister und Schüler auch noch "erfolgreich" sind bzw. nach
aussen so erscheinen, dann umso mehr.
Anno 1975 war alles noch
ganz anders. Beim Taekwondo "kämpften" damals gewissermassen fast
nur echte Kerle, selbst Frauen waren eine ziemliche Ausnahme in diesem
Sport. Im Jahr 2000 und darüber hinaus ist die Lage eine ganz andere:
Viele Meister, viele Vereine und auch viele "Verbände" betreiben vorrangig
eine Art "Jugendarbeit" und "Breitensport" oder sie verwalten zu einem
grossen Anteil "Kindertraining" und "Kinderturniere". Der typische Hochleistungssport
hat sich davon ziemlich abgenabelt, aber die "Vorbilder" - das sind in
erster Linie immer noch die Trainer und natürlich auch einige Wettkämpfer.
Man stelle sich vor, die ziemlich unbekannten Taekwondo-Bundesligisten
wären als "Nutella-Boys" täglich im Fernsehen unterwegs.
Wie wenig es eigentlich auf
"Vereine" und "Verbände" ankommt, zeigen zwei kleine Anekdoten
vom Rand des Sportgeschehens:
Einmal beim Training...
Es war vor längerer
Zeit, als ich vor dem Trainingsbeginn in die Sportschule kam und dabei
fiel mir ein kleiner Junge auf, den ich bisher noch nie beim Training gesehen
hatte. Ich ging auf ihn zu und sagte zu ihm: "Guten Tag, ich kenne Dich
gar nicht."
Die Antwort lautete: "Ich
bin zum ersten Mal hier."
Meine Frage: "Wie heisst
Du denn ?"
"Paul Meier" (Name geändert)
"So, so" meinte ich, "und
wie alt bist Du ?"
"Halb Sieben"
Dem war meinerseits nichts
hinzuzufügen und das Training leitete an dem Tag jemand ganz anderes.
Diese kleine Geschichte
zeigt aber, mit was für "kleinen" Leuten heutzutage schon "gekämpft"
wird. Da hat man als "Lehrer" eine sehr grosse Verantwortung, was man sagt
und was man tut. Auch und vor allem, weil die allermeisten dieser halb
sieben alten Schüler meist recht schnell wieder von der Siegertreppe
abspringen. Sie und-oder ihre Eltern haben jedoch einen bleibenden Erst-Eindruck
von diesem Sport erhalten, sogar wenn sie wieder davon weg sind und zwar
egal, in welchem Club oder in welcher "Stilrichtung" sie dabei gewesen
sind.
Einige, bisweilen sehr frustriert
klingende Trainer, sprechen schon von "Pflegefällen", die sie bei
sich zu Hause beim Training verwalten, denn nicht jeder der WILL, ist tatsächlich
der Richtige für "Kampfsport". |
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Aber Mitgliederzahlen und
"Erfolge" sind nicht nur etwas, womit man sich selbst unter Druck setzen
kann, sondern sie geben manchen uneinsichtigen Leuten scheinbar immer Recht.
Die meisten "Anfänger"
wissen jedoch noch nicht mal in welchem "Verband" sie durch ihren Verein
oder Trainer tätig werden.
Noch ist es für sie
wirklich wichtig - ausser man kriegt klare Olympia-Ambitionen auf´s
Auge gedrückt oder man gibt sein letztes Hemd für die korrekteste
Tul aller Zeiten.
Und man weiss längst,
wie vorbildlich und gesund "Leistungssport" von klein auf sein kann, in
den man von allzu erfolgsorientierten Eltern-Trainern-Vereinen-Verbänden
gedrängt wird.
Die direkte Umgebung eines
Sportlers, also in erster Linie der Trainer als Bezugsperson und irgendwie
auch noch der "Verein", sprich die Gruppe gleichgesinnter Sportler am Orte,
ist zunächst sicherlich das Wichtigste.
Ein "Verband" nur insofern,
wie er die Gleichgesinnten (Vereine) auf einer grösseren Ebene vereinigt
und einige sinnvolle und attraktive Rahmenbedingungen sportlicher Aktivität
entfaltet.
Wirklich niemand braucht
einen "Verband", der sich nur wichtig gibt, wertlose Dinge "verkauft",
horrende Beiträge verlangt oder wirklich "freien", aber eben "geordneten"
Sport gar nicht im Angebot hat.
Wie wichtig "Vereine" und
"Verbände" tatsächlich sind, verdeutlicht an dieser Stelle eine
kleine Geschichte, die sich genau so zugetragen hat:
Es war beim EURO-CUP
2009 in Warburg...
Ich hatte eine Weile als
"Turnierfotograf" zu tun und eilte dabei über Gänge und Fluren
der Sporthalle, um möglichst viele Perspektiven, also auch die auf
der Zuschauertribüne, wahrnehmen zu können. Dabei kam mir auf
einer Treppe ein kleines Mädchen entgegen, das mir sofort ins Auge
fiel. Denn die junge Sportlerin war nicht nur niedlich, sondern spielte
irgendwie merkwürdig lustig-traurig mit ihrem Trostpreis, einer offiziellen
Turniermedaille. Die bekam jeder Wettkämpfer, der nicht auf das Siegertreppchen
gelangte, denn das Turnierbüro hat von je
her die Einstellung vertreten "Dabei sein ist schon
eine Art Sieg"...und jeder Sieger verdient natürlich auch eine
Erinnerung an seinen sportlichen Einsatz. Schliesslich gibt es vergleichsweise
bei jedem Volkslauf oder Volksradfahren eine kleine Medaille.
Manche Kampfsport"Verbände"
und auch "Meister" tun sich mit sowas schwer, denn dort scheint vielfach
die Überzeugung zu herrschen - "es geht um die Besten". Nur die sollen
bei einem Turnier was kriegen.
Und die "Besten" - das sind
üblicherweise vor allem die eigenen Leute und am Ende natürlich
ICH selbst.
Die Wahrheit (über Vereine-Verbände-Meister)
ist sehr oft über deren eigene Webseiten oder über die heimische
Lokalpresse ganz leicht herauszufinden.
Was war nun mit dem kleinen
netten Mädchen auf der Treppe beim EURO-CUP ?
Die Geschichte ging folgendermassen
weiter:
Da ich an schöne "Bilder"
dieses Turniers dachte, überlegte ich, dass es bei dieser Gelegenheit
Zeit für einen guten Schnappschuss sein müsste.
Ich sagte zu dem Mädchen:
"Bleib mal stehen, ich mache ein Foto mit der Medaille von Dir"
Und weiter: "Das sieht doch
gut aus, merkt gar keiner, dass Du beim Wettkampf nicht auf der Siegertreppe
gewesen bist"
Klick - das Foto.
Dann fragte ich sie: "Sag
mal, wie heisst denn Dein Trainer ?"
Sie entgegnete: "Jürgen"
"Oh", sagte ich, "ich kenne
mehrere Trainer, die Jürgen heissen. Wie heisst der mit ganzem Namen
?"
"Weiss ich nicht"
"Hm", meinte ich, "wie heisst
denn Dein Verein ?"
Da sagte sie: "Taekwondo-Verein"
Mehr wusste sie nicht und
vielleicht sind andere Dinge in so einem Sport auch viel wichtiger. |